Trump oder Der Artikel, den ich nie schreiben wollte

Es hat eine Weile gedauert, bis ich die schreckliche Nachricht verdauen konnte, dass Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde, aber offenbar ist dies der Fall. Ich hoffe von Herzen, dass das politische System des Landes stabil genug ist, dafür zu sorgen, dass er nicht auch der letzte Präsident sein wird, da er sich in der Mitte seiner Amtszeit zum Imperator des Vereinigten Reiches von Gottes Gnaden ernennt. Verdammt, letztes Jahr dachte ich, „The Man In The High Castle“ sei ein faszinierendes, aber gänzlich fiktionales Stück Fernsehunterhaltung (wenngleich es auch damals schon unheimlich war, wie gut Nationalsozialismus und amerikanischer „Scheiß drauf, lass es uns tun!“-Kapitalismus zusammenzupassen scheinen).

Offenbar ist Trump bereits auf (oder unter) Bush Juniors Niveau dummer politischer Entscheidungen angelangt, bevor er auch nur seinen Amtseid geleistet hat: erinnert sich noch jemand daran, wie Bush eine diplomatische Krise mit China um jeden Preis eskalieren lassen wollte (bevor 9/11 passierte, woraufhin er und alle anderen die Angelegenheit vergaßen)? Der Wikipedia-Artikel über den Vorfall nennt weitere Details. Nun, Trump hat besagte Krise bereits im Alleingang geschaffen, bevor er sein Amt antritt.

Oder erinnert ihr euch noch an „Freedom Fries“, also die McCarthy-hafte Hexenjagd, in der die Bush-Krieger jeden, der nicht ihrer Meinung war, als „unamerikanisch“ bezeichneten? Tja, Breitbart (die mit Trump unter einer Decke stecken, und laut Bannon auch mit Darth Vader, Satan und sogar Dick Cheney) sind so weit gegangen, dass sie die recht konservative Firma Kellogg’s als „unamerikanisch“ bezeichnet haben, obwohl diese Firma dem geneigten Beobachter so amerikanisch wie Apfeltorte zu sein scheint. Stellt euch nur einmal vor, diese Clowns müssten mit etwas so Entsetzlichem wie 9/11 zurechtkommen — sie würden Bush im Nachhinein geistig gesund und vernünftig aussehen lassen.

Nimmt man Trumps Versprechen, seinen Feinden „etwas höllisch viel Schlimmeres als Waterboarding“ antun zu wollen, Mexikaner und Muslime drangsalieren zu wollen, bloß weil sie eben Mexikaner oder Muslime sind (man fragt sich, wie er einen mexikanischen Muslim behandeln würde, wenn er je einen träfe), Die Mauer zu bauen und ihr Lordkommandant zu werden (in Game of Thrones war Janos Slynt niemals Lordkommandant, weil selbst George R.R. Martins überbordende Fantasie sich keinen solchen Horror ausdenken könnte) sowie den Sumpf trockenzulegen (offenbar, indem er die Dinger aus dem Sumpf zu seinem Kabinett ernennt), können wir darauf hoffen, dass die nächsten vier Jahre, ähm, interessant werden, um das mindeste zu sagen.

Ich jedenfalls heiße unseren neuen Trumpf-Herrscher nicht willkommen und werde das auch niemals tun. In einer Zeit, in der viel zu viele Leute ihren inneren Neville Chamberlain beschwören, indem sie Faschismus beschönigen und normalisieren, glaube ich, dass es wichtig ist, ihm so vehement wie möglich zu widerstehen.

Über Sascha Kersken

Ich habe seit 1983 Computer-Erfahrung und hatte das Glück, mein Hobby nach dem Abitur und einigen Umwegen zum Beruf zu machen. Ich arbeite bei der dimensional GmbH in Köln als Senior Developer, unter anderem mit PHP und Java. Seit 1996 bin ich zusätzlich als freiberuflicher Dozent in den Bereichen Administration, Programmierung und Webentwicklung mit Schwerpunkt LAMP tätig, außerdem als Fachbuchautor und -übersetzer.
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