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18.8.2009 von Sascha Kersken.

Eben wollte ich etwas im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland nachschlagen — trotz diverser Aufweichungen in den letzten knapp 20 Jahren noch immer die Grundlage für eine relative Freiheit. Der erste Treffer bei der Google-Suche nach “grundgesetz” verweist auf eine Seite auf der Website des Deutschen Bundestags. Nichts Böses ahnend habe ich draufgeklickt, weil ich mir dachte, dass die ja wohl auf jeden Fall die aktuelle Fassung vorhalten dürften. Aber ach! Statt des erwarteten Grundgesetzes wird obige “404 Not Found”-Seite angezeigt. Natürlich ist mir klar, dass die Seite wohl umgezogen ist und der Link bei Google noch nicht aktualisiert wurde. Und dennoch eine schöne, passende Metapher dafür, wie unsere Damen und Herren Politiker gerade in den letzten Jahren mit Inhalt und Geist der Verfassung umgehen.
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3.8.2009 von Sascha Kersken.
Zensursel war allein zu Haus,
Die Wähler waren alle aus.
Als sie nun durch den Reichstag sprang
Mit leichtem Mut und Sing und Sang,
Da sah sie plötzlich vor sich stehn
Das Grundgesetz, nett anzusehn.
“Ei”, sprach sie, “ei, wie schön und fein!
Das muss ein trefflich Spielzeug sein.
Ich zünde die Verfassung an,
wie’s einst der Opa hat getan.”
Und Minz und Maunz, die Katzen,
Erheben ihre Tatzen.
Sie drohen mit den Pfoten:
“Ach, Karlsruhe hat’s verboten!
Miau! Mio! Miau! Mio!
Lass stehn! Sonst brennt Deutschland lichterloh!”
Zensursel hört die Katzen nicht!
Das Grundgesetz brennt hell und licht,
Das flackert lustig, knistert laut,
Grad wie ihr’s auf dem Bilde schaut.
Zensursel aber freut sich sehr
Und sprang im Reichstag hin und her.
Und Minz und Maunz, die Katzen,
Erheben ihre Tatzen.
Sie drohen mit den Pfoten:
“Ach, Karlsruhe hat’s verboten!
Miau! Mio! Miau! Mio!
Mach’s aus! Sonst brennt Deutschland lichterloh!”
Doch weh! Die Flamme fasst den Raum,
Und nach nur fünf Minuten kaum
Da brennt der Reichstag, brennt das Haus,
Es brennt das ganze Land, oh Graus.
Und Minz und Maunz, die schreien
Gar jämmerlich zu zweien:
“Herbei! Herbei! Wer ist zur Hand?
Im Feuer steht das ganze Land!
Miau! Mio! Miau! Mio!
Zu Hilf’! Das Land brennt licherloh!”
Verbrannt ist alles ganz und gar,
Das arme Land mit Haut und Haar;
Ein Häuflein Asche blieb allein,
Und Ursels Dienstwagen so fein.
Und Minz und Maunz, die kleinen,
Die sizen da und weinen:
“Miau! Mio! Miau! Mio!
Wo ist die arme Freiheit? Wo?”
Und ihre Tränen fließen
Wie’s Bächlein auf der Wiesen.
[Frei nach “Die gar traurige Geschichte mit dem Feuerzeug” aus dem “Struwwelpeter” von Heinrich Hoffmann]
Erstveröffentlichung in meinem Forenaccount bei Heise online
Die Weiterverbreitung des Gedichts ist ausdrücklich gestattet. Bitte mit Quellenangabe (http://sascha-kersken.de/2009/08/03/die-gar-traurige-geschichte-mit-dem-grundgesetz/) und natürlich nicht kommerziell.
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20.6.2009 von Sascha Kersken.
Von der Musikrichtung her stehe ich ja eher auf Metal, aber dieser Song muss GENAU SO sein:
Ruft eure lokalen Radiosender und Fernsehstationen an und bittet sie, den Song zu spielen. Täglich hundertmal, damit auch der Letzte merkt, worum es der Zensursula und ihrer Gang eigentlich geht.
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19.6.2009 von Sascha Kersken.
Die Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ist eine lange Geschichte der Verarschungen und faulen Kompromisse. Hier nur noch mal einige Highlights für Vergessliche:
Hab ich noch was vergessen?
Zusätzliche Hinweise:
Das Dumme ist, dass die meisten Menschen vergesslich sind.
Auch ich gebe zu, die SPD früher dennoch mitunter als ”kleineres Übel” gewählt zu haben. Dieser Fehler wird mir jedoch NIE WIEDER unterlaufen.
[Erstveröffentlichung unter meinem Heise-Account hier]
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20.4.2009 von Sascha Kersken.
Als Kollege André im Dezember 2008 in seinem Blog darüber berichtete, war es noch ein Vorschlag des für bizarre Ideen und hartnäckige Realitätsverweigerung bekannten Herrn Schünemann (niedersächsischer Innenminister). Inzwischen ist es geltendes Gesetz, und fünf Provider haben einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet. Beängstigend, wie kurz die Frist zwischen dem Entstehen hirnrissiger Vorschläge, die früher[TM] höchstens von Hinterbänklern während des Sommerlochs verbreitet wurden, und ihrer Verabschiedung als Gesetz inzwischen ist — einer der vielen Nachteile einer großen Koalition.
Glücklicherweise ist die Frist bis zur Aufhebung oder zumindest Einfriedung der schlimmsten Auswüchse durch das Bundesverfassungsgericht oft genau so kurz (erstaunlicherweise ein Verfassungsorgan, das im Gegensatz zu Parlament und Regierung noch wie vorgesehen funktioniert). Wobei das Perfide an diesem konkreten Gesetz natürlich ist, dass jeder, der dagegen Klage einreicht, Gefahr läuft, auf dem geistigen Niveau von “BILD” und ihren Lesern als “Kinderpornokonsument” oder zumindest -verharmloser abgestempelt zu werden — obwohl jedem halbwegs informierten (und informierbaren) Menschen ohne Weiteres klarzumachen ist, dass dieses Gesetz nicht das Geringste gegen Kindesmissbrauch und -pornographie auszurichten vermag, sondern aus vielen Gründen eher noch das Gegenteil bewirkt. Folgerichtig gibt es sogar eine Initiative ehemaliger Missbrauchsopfer gegen Internetsperren.
Ein zusätzliches Problem ist die aufgrund der Natur der zu sperrenden Seiten geheime Filterliste: Es ist abzusehen, dass es nicht bei Kinderporno bleiben wird; nach und nach werden sicher auch religiös oder politisch radikale Sites, Online-Casinos, “Killerspiel”-Sites usw. gesperrt. Und irgendwann geht es dann schlicht um missliebige politische Meinungen. So sehr die Frau vdL das leugnet — ich glaube denen nichts dergleichen: Wie lange hat es noch mal gedauert von “die Mautdaten werden ausschließlich, stets und immer nur zu Abrechnungszwecken verwendet!!!!!!!!!!1elf!!!” bis “jetzt, wo wir sie einmal haben, können wir sie doch auch zur Fahndung nach Terr^W Schwerverbr^W Falschparkern nutzen”?!
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1.3.2009 von Sascha Kersken.
Schon seit Längerem ist bekannt, dass Frankreich “Urheberrechtsverletzern”, das heißt Tauschbörsennutzern, nach zweimaliger Verwarnung automatisiert den Internetzugang sperren möchte, ohne Richterbeschluss et al. Schon diese Maßnahme ist IMHO vergleichbar mit dem barbarisch-mittelalterlichen Handabhacken bei Dieben (natürlich nicht, was das Schmerzlevel des Bestraften angeht, sondern in puncto Geisteshaltung). Nun wird eine neue Sau durchs digitale Dorf getrieben: Die französische Kulturministerin möchte bei öffentlichen Hotspots nur noch den Zugang zu Websites erlauben, die explizit in einer Whitelist stehen. Das geht noch einen Schritt weiter als die mit Blacklists arbeitende, auch in westlichen “Demokratien” immer weiter um sich greifende Internetzensur.
Wohin geht die Reise? Das einundzwanzigste Jahrhundert droht zum Finsteren Mittelalter 2.0 zu werden, nur weil Unmengen von Politikern Angst vor neuen Medien und letztlich vor ihrer eigenen Bevölkerung haben. Nun könnte man diese Angst natürlich deutlich abmildern, indem man zur Abwechslung mal Politik im Sinne dieser Bevölkerung und nicht für die Interessen einiger Lobbygruppen (Großbanken, Großkonzerne, Medienindustrie usw.) macht. Aber nein, lieber immer mehr überwachen, bespitzeln, zensieren, verbieten, Milliarden für Biometrie- und sonstigen Pseudosicherheitsschwachsinn ausgeben und gleichzeitig behaupten, man hätte kein Geld für die Belange von Arbeitslosen und Rentnern oder für ein paar halbwegs neue Schulbücher. Deutschland, Großbritannien und Frankreich scheinen bei alldem in Europa eine unrühmliche Vorreiterrolle zu spielen. Jedenfalls ist es lächerlich, wenn dieselben Herrschaften, die hier jeden Tag weitere und zunehmend skandalöse Ausnahmen zu den Bürgerrechten hinzufügen, dieselben im Dialog mit China, Iran oder irgendwelchen Bananenrepubliken einfordern.
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18.12.2008 von Sascha Kersken.
Ich denke, ich brauche niemandem mehr zu erzählen, wie gefährlich Softwarepatente für Open Source sind. Die EU-Softwarepatentrichtlinie wurde zwar nach langem Hin und Her vom EU-Parlament abgelehnt, aber die nationalen Patentämter und das Europäische Patentamt erteilen munter weiter Softwarepatente; sobald es zu einer Gesetzesänderung käme (bei der Lobbyistendichte heutzutage jederzeit möglich), würden diese unverzüglich scharfgeschaltet, mit allen unglücklichen und absurden Folgen.
Deshalb sollte sich jeder, der berufliches und/oder persönliches Interesse an Open Source und an einer offenen IT-Landschaft hat, zwei Minuten Zeit nehmen und die folgende Online-Petition unterzeichnen:
http://stopsoftwarepatents.eu/
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5.11.2007 von Sascha Kersken.
Diese Woche soll im Bundestag das Gesetz zur so genannten Vorratsdatenspeicherung verabschiedet werden — wenn es durchkommt (womit fest zu rechnen ist), wird ab dem 01.01.2008 verdachtsunabhängig gespeichert, wen ihr wann anruft, welche Websites ihr besucht und wem ihr E-Mails schreibt. Trotz der Standardbegründung “Terrorismusbekämpfung” ist zu befürchten, dass politisch missliebige Ansichten (v.a. das Engagement für die immer weiter aufgeweichten Bürgerrechte) oder auch Bagatelldelikte wie das Kopieren von Musik oder Filmen auf diese Weise verfolgt werden, wenn diese Daten erst einmal vorliegen. Insofern gilt: Wehret den Anfängen!
Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung führt aus diesem Grund morgen, also am 06.12.2007, einen bundesweiten Aktionstag durch. Die Aktion in Köln beginnt um 18:30 Uhr auf der Domplatte. Näheres hier. Kommt zahlreich, und bringt möglichst viele Leute mit.
Sollte sich in eurem Bekanntenkreis der ein oder andere Vertreter der “Ich hab doch nix zu verbergen”-Fraktion befinden, gibt es hier ein bisschen Argumentationshilfe (da geht es konkret um die diversen Pläne von Herrn Dr. Schäuble, zu denen aber eben auch die Vorratsdatenspeicherung gehört).
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